CDU Kreisverband Oldenburg-Land

Notstand ist keine Zukunftsmusik

Ansgar Focke und Herwig Wöbse informieren sich im Seniorenzentrum

Die Bedingungen und Anforderungen in der Pflege alter und kranker Menschen ändern sich ständig. Da seien drei Jahre eine lange Zeit und so lange sei es her, sagt der CDU-Landtagsabgeordnete Ansgar Focke, dass er sich in Einrichtungen im Landkreis nach der aktuellen Situation und nach Problemen und Wünschen erkundigt habe.
Im DRK-Seniorenzentrum in Harpstedt startete er am Freitag eine Besuchsreihe in Einrichtungen im Landkreis, begleitet wurde er vom Samtgemeindebürgermeisterkandidaten und Kreistagsabgeordneten Herwig Wöbse. Pflege werde nicht erst in Zukunft ein wichtiges Thema, sie sei es längst, sagte Focke. Fast jeder Mensch könne das in seinem direkten Umfeld beobachten.
Begrüßt wurden die Politiker von DRK-Kreisgeschäftsführer Jürgen Vosteen, der Ortsvereinsvorsitzenden Reinholde Lehmhus, Einrichtungsleiterin Birgit Brunsch und Pflegedienstleiterin Uta Reinking. Und die hatten tatsächlich einige Probleme, die ihnen unter den Nägeln brannten: „Der Pflegenotstand ist längst da“, sagte Uta Reinking. Examinierte Pflegekräfte seien auf dem Markt nicht zu bekommen, ergänzt Birgit Brunsch. Das zu je 50 Prozent vom Kreis- und vom Ortsverein betriebene Zentrum bildet zwar regelmäßigeigene Kräfte aus – muss dafür aber tief in die Tasche greifen: „12 300 Euro kostet uns ein Azubi pro Jahr, bei der Verhandlung der Vergütungssätze können wir aber nur 7300 Euro ansetzen“, rechnet Jürgen Vorsteen vor – bleibt eine Lücke von 5000 Euro pro Jahr und Azubi. Niedersachsen habe im Vergleich der Bundesländer die niedrigsten Pflegesätze, monierten Birgit Brunsch und Uta Reinking.
Zusätzlich, so Vosteen, litten die Mitarbeiter in der Pflege unter mangelnder gesellschaftlicher Anerkennung. Dabei brauche die Pflege Menschen mit hoher sozialer Kompetenz.
Ein weiteres Problem sei die Dokumentationspflicht. Immer mehr Zeit, die eigentlich für die Pflege gebraucht werde, falle für die Dokumentation einzelner Arbeitsschritte an.
Viele dieser Dokumentationspflichten seien sinnvoll, sagte Uta Reinking, etwa wenn es um Einschätzung der Gefahr von Stürzen ginge  oder um die Schmerzeinschätzung. Andere Problemfelder könne eine erfahrene Pflegerin ohne aufwendige Dokumentation in einer Woche einschätzen.
Die Politik brauche diese Rückmeldung von Praktikern, sagte Focke. Er werde sich die Dokumentationsrichtlinien genau ansehen, versprach der Landtagsabgeordnete, und auch mit den Problemen bei der Ausbildungsvergütung will er sich weiter beschäftigen.
(NWZ v. 18.01.2014)